SEDATUS ist der Name einer provinzialen Gottheit, die hauptsächlich in Pannonien verehrt wurde. Der Gott ist bekannt durch fünf Weiheinschriften, von welchen vier in den Donauländern und eine in der Westschweiz gefunden wurden:

Pannonia superior Nahe der Grenze von Noricum. In der Kirche von Haselbach bei Gurkfeld (slawisch: Kersko) in Krain, aus dem alten Neviodunum. Erhalten.  
Pannonia inferior Stuhlweißenburg (südwestlich von Budapest), gefunden im Jahr 1874 in den Resten einer alten Kirche, unter einem mittelalterlichen Turm, als Seitenteil eines christlichen Grabes. Inschrift aus dem Jahre 210 n.Chr. Erhalten im Museum zu Pest.  
Moesia superior Arcar oder Arcer an der Donau, mit altem Namen Ratiaria. Die Inschrift fällt in die Zeit 198/211 n.Chr. Erhalten im Museum Bukarest.  
Reatia Limeskastell VETONIANA Pfünz. Im Jahre 1809 hatte sich der Pfünzer Schmied einen behauenen und gemeißelten Stein vom Römerkastell geholt und als Stiege vor seine Haustüre gelegt. Ein historisch Interessierter kaufte den Stein und brachte ihn in Jesuitenkollegium nach Eichstätt. Um 1825 kam der Inschriftenstein auf unbekanntem Wege nach Augsburg in die Sammlung römischer Altertümer.  
Alpes Poeninae Aus einer Mauer (17. Jahrhundert) in der Abtei von Saint-Maurice en Valais im Tal der oberen Rhone, mit altem Namen Tarnaiae Nantuatium. 

Bei Stuhlweißenburg (ungarisch Szekes-Fejervar, lat. Alba Regia) war, wie aus den hier gefundenen Inschriften erschlossen, vermutlich eine zentrale Kultstätte für die Provinz Unterpannonien.
Der Zusatz deus in der Inschrift 5 verrät die provinzielle, unrömische Gottheit. Die Benennung provinzialer Gottheiten als kaiserliche durch Augustus (Inschriften 1-3) ist häufig, insbesondere in den Donaulandschaften.
Unter den Stiftern ist eine an der Reichsgrenze in Raetia stehende Truppe (Inschrift 4), die Cohors I Breucorum, die aber ausgehoben war aus dem illyrischen Stamm der Breuker, beiderseits der Save, in Unterpannonien.

Von den sonstigen Stiftern war einer Mitglied des Gemeinderates in Ratiaria (Inschrift 3). Der nämliche Mann war auch Meister des Collegium fabrum jener Stadt. Auch der Stifter der Inschrift 2 war Meister eines Collegium centonariorum der Stadt Aquincum. Beide Collegia waren aber Feuerwehren.
Weil nun der Gott des Feuers Vulcanus in Pannonia inferior, in Cipri, von einer, unter dem ommando eines Stadtrömers stehenden Auxiliarkohorte und in der nämlichen Provinz, von den Bewohnern des römischen Lagers Aquincum verehrt wird, so wird vermutet, dass VULCANUS und SEDATUS den Römern wesensgleich waren und dass ausser anderen Landesgöttern, auch SEDATUS im römischen Heer zum Römer geworden sei.
Diese Vermutung stimmt mit der Namensdeutung überein, denn SEDATUS wird von dem keltischen SED = pax (Friede) abgeleitet. SEDATUS = pacatus, pacificus bedeutet demnach ein Wesen der Befriedung, welches Ruhe bringt, das Feuer, den Brand aufhören macht.

Eichstätt, den 15.2.1994
Helmbrecht Schorer

Quellen:
- W.H. Roscher, Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie
- Paulys Realencyclopädie der Classischen Altertumswissenschaft

Inschrift

Sedato sacrum coh(ors) I Bre(ucorum) ex v(oto) s(uscepto) l(ibens) v(otum) s(olvit) c(uram) a(gente) Jul(io) Maximo dec(urione)

was bedeutet:

Dem Sedatus geweiht; die erste Kohorte der Breuker hat nach einem Gelübde froh und freudig ihr Gelübde gelöst unter Leitung des Rittmeisters Julius Maximus