Es handelt sich um den zweiten bei Kösching gefundenen Meilenstein. Der seit dem 18.Jahrhundert bekannte Altfund gehört freilich zu einer anderen, 195/215 n.Chr. ersteilten Serie von Straßensäulen. Dagegen wird der jüngst geborgene Stein durch die Angaben zur Tribunengewalt des Kaisers Septimius Severus (Herrscher von 193 bis 211 n.Chr.) und seines Sohnes und Mitaugustus - uns besser bekannt als Caracalla -. in die Zeit zwischen 10. Dezember 200 und 9. Dezember 201 datiert. In diesen Monaten wurden in der Provinz Rätien umfangreiche Erneuerungsmaßnahmen an mehreren großen, von der Provinzhauptstadt ausgehenden Straßen vorgenommen. Betroffen waren die Strecken von Augsburg zum Brenner, zur Innbrücke in Richtung Norikum, zum Bodensee und nach Regensburg. Mit dem Neufund kennen wir jetzt insgesamt 14 Zeugnisse für diese Reparaturarbeiten. Gleichzeitig ist er der vierte Beleg für in jenem Jahr ausgeführte Bauten an der für den Nachrichten- und Verkehrsfluß höchst wichtigen Verbindungslinie zwischen dem Statthaltersitz am Lech und der dritten italischen Legion am Donauknie bei Regensburg. Die Route führte über Burghöfe, Burgheim und Steppberg ins Limeshinterland, dort vorbei an Nassenfels, Kösching und Pförring bis nach Eining, wo sie in eine Donausüdstraße einmündete. Da diese Kösching tangierende Hauptstraße südlich der Flur Gänsäcker verlief, dürfte der neu gefundene Meilenstein in spät- oder nachrömischer Zeit aus unbekannten Gründen verschleppt worden sein. Sein ursprünglicher Standort war 52 römische Meilen von Augsburg und 34 vom Legionslager in Regensburg entfernt Die Angabe von zwei Zählpunkten war nicht besonders häufig, ist aber charakteristisch für die römischen Straßensäulen im Limesgebiet nördich der Donau. Fünf Beispiele für diese Berechnungspraxis kennen wir jetzt. Von diesen ist der Köschinger Neufund am besten erhalten. Er erinnert uns erneut daran; daß Regensburg um 200 n.Chr. im offiziellen Amtsgebrauch keineswegs Castra Regina, sondern ganz einfach Legio hieß.