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Ein Markenzeichen der COH I BREVCORVUM aus Pfünz ist die Rekonstruktion von Belagerungswaffen, wie den Onager und das Pfeilgeschütz.

Schleudergeschütz (onager)

Onager Im Hintergrund der nordwestliche Eckturm und die Verbindungsmauer zum Nordtor

Der Ausdruck Onager kann mit Wildesel übersetzt werden. Die eigentümliche Bezeichnung kommt wahrscheinlich daher, weil sich das Schleudergeschütz beim Abschuß etwas bewegt und man den Eindruck haben könnte, ein Esel schlägt mit den hinteren Hufen aus. Der Onager nutzt eine Torsionsfeder als Antrieb für den starken Wurfarm. Diese Feder besteht aus einem vorgespannten Seilbündel, in dessen Mitte der Wurfarm steckt. Die letzte große Spannung erfolgt über eine Winde, die den Wurfarm nochmal ein Stück gegen die Spannung zieht. Am Ende des Wurfarms hängt eine Seilschlaufe, in die das Geschoss gelegt wird.

Abschuss Bitte klicken Sie auf das Bild um es zu vergrössern. Es zeigt eine kleine Animation des Abschusses

Beim Abschuss wird der Wurfarm ausgelöst, aufgrund der Fliehkraft schwingt das Geschoß nach vorne, die einseitig lose eingehängte Seilschlaufe löst aus und gibt das Geschoss in Zielrichtung frei. Die größte Herausforderung bei der Rekonstruktion war, das richtige Seil für das Spannungsbündel zu finden. Nylon, als modernstes Material ist dafür unbrauchbar, denn Nylon dehnt sich und behält diese Dehnung bei. Hanfseile sind zu kurzfaserig, hier reißen die einzelnen Fasern sehr schnell und nach wenigen Schuss erlahmt die Spannkraft. Das beste Ergebnis konnte mit einem Seil aus Manilafaser erreicht werden, dies ist auch bis heute in Verwendung. Im Original sollen Seile aus Frauenhaar verwendet worden sein, im Modell haben wir Pferdehaare eingesetzt. Diese haben eine wesentlich höhere Kraft, als die Manilafaser. Das komplette Seilbündel aus Pferdehaaren herzustellen ist nicht das Problem, nur Pferdehaare in dieser Menge sind für unseren kleinen Verein unbezahlbar. Vielleicht findet sich mal ein Sponsor.

Skizze Zeigt die Stellung des Wurfarmes im gespannten und ausgelösten Zustand

Die Rekonstruktion in Originalgröße wiegt ca. 1,2 Tonnen, zur Demonstration und zur Reduzierung der Unfallgefahr verschiessen wir bei Veranstaltungen hohle Blechkugeln. Mit Steinkugeln von ca. 4 kg Gewicht sind Reichweiten von 300-400m erzielbar. Der Onager ist ca. 3m lang, 2,10m breit und 2,30m hoch. Die Rekonstruktion wurde 1992 realisiert.

Modell des Onager 1:70 Originalrekonstruktion im Hintergrund

Kampftaktik

Onager Aufgenommen in Künzing

Der Onager wurde als Belagerungswaffe im Stellungskampf verwendet. Die erforderlichen Metallteile wurden transportiert. Die restliche aus Holz gefertigte Konstruktion wurde vor Ort erstellt und zusammengebaut. Als Geschosse kamen Steinkugeln aber auch Brandgeschosse zum Einsatz. Mit der großen Reichweite konnten feindliche Lager aus sicherem Abstand empfindlich attakiert werden.

Pfeilgeschütz (scorpio)

Scorpio Ansicht genau auf die Pfeilspitze

Das römische Pfeilgeschütz ist auf den ersten Blick einer Armbrust ähnlich. Aber beim Scorpio wird die gleiche Torsionsfeder wie beim Onager verwendet, um die nötige Spannkraft für den Pfeil zu erzeugen. In den senkrecht, links und rechts angeordneten Spannbündeln stecken zwei stabile Holzarme die mit einer Sehne verbunden sind. Auf einem beweglichen Schlitten wird der Pfeil abgelegt und mit der Sehne und einer kleinen Winde gespannt. Mit einem Haken wird der Schlitten mitsamt dem Pfeil ausgelöst und die gespannte Sehne treibt beides nach vorne. Durch die Auflage erhält der Pfeil eine stabile Lage beim Abflug.

Die Durchschlagskraft auch auf größere Entfernung ist enorm, daher ist dieses Pfeilgeschütz die gefährlichste Waffe. Wir führen die Waffe deshalb mit einem scharfen Schuss nicht vor, sondern erklären die Funktionsweise.