Schuppenpanzer (lorica squamata)

Rekonstruktion der Pfünzer Schuppe

Bei den Ausgrabungen im Kastell Pfünz durch Dr. Winkelmann wurde auch die Schuppe einer Rüstung geborgen. Dieses Original war Vorbild für die Schuppenpanzer unserer Auxiliargruppe. Jeder Schuppenpanzer besteht aus etwa 2.500 einzelnen Schuppen, ja nach Größe liegt das Gewicht zwischen 6 und 15 kg. Jede Schuppe, in Form eines winzigen Dachziegels, hatte seitlich und oben jeweils 2 Löcher. Die Schuppen sind auf einer Leinen- oder Lederunterlage mit den oberen Löchern aufgenäht. Die seitlichen Löcher verbinden die übereinanderliegenden Schuppen.

Schuppen im Verbund

Diese Technik gewährleistet einen guten Schutz gegen anfliegende Pfeile und Speere, aber auch gegen die Schwerthiebe im Zweikampf. Die Praxiserfahrung zeigt heute aber, dass die gewählte starke Verbindung der einzelnen Schuppen untereinander einen recht starren Schutzpanzer ergibt. Die Vermutung liegt nahe, dass die originale Pfünzer Schuppe mit seinen acht Löchern eine besonders stabile Stelle des römischen Schuppenpanzers garantieren mußte. Die Mehrzahl der Schuppen dürfte lockerer auf das Grundmaterial aufgenäht gewesen sein, um eine bestimmte Beweglichkeit sicher zu stellen. Hier wären noch weitere experimentelle Versuche erforderlich.

Kettenpanzer (lorica hamata)

Kettenpanzer Limesmuseum Aalen

Das Kettenhemd war wohl der weit verbreitetste Körperschutz bis hinein ins hohe Mittelalter. Der Panzer bestand aus einem Geflecht von ca. 30.000 Eisenringen und wog 8-9 kg. Die Römer fertigten die Kettenhemden aus abwechselnden Reihen von gestanzten (also geschlossenen) Ringen und rundgebogenen Drahtringen. Um den Schutz zu gewährleisten, war es erforderlich die offenen Drahtringe zu verschließen, dies wurde entweder durch Vernieten oder durch Verschweißen (Sintertechnik) bewerkstelligt. Für unsere hochtechnisierte Welt heute kaum mehr nachvollziehbar. Die Ringe haben einen Durchmesser von 3 - 9 mm, die Herstellung dauerte min. 200 Stunden ohne die Vernietung der offenen Drahtringe.

Die massenweise Herstellung der römischen Kettenhemden ist aus heutiger Sicht ein Rätsel, trotz genügend billiger Arbeitskräfte ist der enorme Aufwand nicht vorstellbar.

Helm (cassis oder galea)

Neben den Schuhen für den langen Marsch war der Schutz des Kopfes nicht weniger wichtig. Das Schild vermag immer nur einen Teil des Soldaten vor feindlichen Speerwürfen oder Schwerthieben zu schützen. So war der Helm mit seiner besonderen Konstruktion zum Schutz des Soldaten unverzichtbar. Die Kalotte wurde aus Eisen- oder Bronzeblech getrieben und auf der Rückseite mit einem Nackenschutz versehen. Das auftreffende Schwert wird so abgeleitet und trifft nur sehr schwer den Hals. Über den Ohren und teilweise auch an der Stirnseite waren aus dem gleichen Grund Metallwülste angenietet. Damit der seitliche Kopf gut geschützt ist, wurde der Helm mit beweglichen Wangenklappen (bucculae) versehen, die zugebunden wurden und so für den festen Sitz sorgten. Als Futter wurde ein mit Roßhaar gefülltes Leinenkissen verwendet.

Unser größtes Problem beim Nachbau war die Herstellung der Kalotte. Denn Eisenblech so tief zu treiben, ist nicht einfach und mit großer Anstrengung verbunden.

Schild (scutum)

Um sich im Kampf zu schützen, hatte der römische Soldat das rechteckige Schild in der linken Hand. Im Nahkampf konnte man den Gegner mit dem Schild und der zum Stich bewegten Schwerthand zurückdrängen. Im Mannschaftskampf konnten sich die Soldaten in der Hocke hinter dem Schild vollkommen verbergen. Vor anreitenden Feinden war die sogenannte Schildkröte ein guter Schutz.

Das Schild ist ähnlich dem heutigen Sperrholz aus mehreren quer verleimten Holzleisten gefertigt. Im Zentrum befindet sich ein runder Ausschnitt, der mit einem Schildbuckel (umbo) aus Metall abgedeckt ist. Damit wird Platz für die Hand am innenliegenden Griff geschaffen. Der Rand des Schildes ist mit Leder eingefasst und verleiht dem Schild damit zusätzliche Festigkeit und Schutz gegen eindringende Nässe.

Die Schilde der Legionäre sind zum Soldaten hin gebogen, der Schwerpunkt wird damit günstig verlagert. Die Schilde der Hilfstruppen hingegen sind flach und meistens oval. Hier ist es erforderlich das Schild zusätzlich mit einer Lederschlaufe am Unterarm zu fixieren.

Zelt (papilio)



Die kleinste militärische Einheit (contubernium) umfasste 8 Mann. Dies war die bestimmende Größe für das römische Lagerzelt, das in der Regel aus Leder gefertigt war. Die Soldaten legten sich abwechselnd von Kopf- und Fußseite quer in das Zelt zur Ruhe. Das Zelt hat ein Grundmaß von 3x3 m und hat die Form eines Giebeldaches mit niedrigen Seitenwänden. Der Aufbau ist sehr einfach. Die Lederhaut wird im First über eine Tragestange gelegt und seitlich mit Heringen aus Eisen oder Holz abgespannt. Die Zelte der Centurionen und der Kommandeure waren größer. Jede Soldatengruppe hatte zum Transport der schweren Güter ein Maultier. Das schwere Lederzelt wurde zum Transport zusammengerollt und in einem Leinensack auf dem Tragtier verstaut.

Nachdem Leder sehr teuer ist, haben wir unsere Lagerzelte aus Leinenstoff nachgebildet.