Nachdem die Schrift mit der digitalen Kamera aufgenommen wurde begann eine längere Prozedur der Entzifferung. Ehrlich gesagt waren wir uns noch nicht ganz sicher, aber es hat sich keine Änderung mehr ergeben. Die Inschrift hat definitiv folgenden Wortlaut:

Der Eberlestein Nach der Restaurierung

Hier stürzte am 19. Dezb
1856 der 9jährige
Bauerssohn
Johann Eberle
von Pfünz vom Pferd
und gab plötzlich seinen
Geist auf.
Dieser Denkstein ruft
jeden Gläubigen zu:
Bete für ihm ein
Vaterunser
um ewige Ruhe

Der Text ist so wiedergegeben, wie er auf dem Stein vorzufinden ist. Wie müssen wir uns diesen tragischen Unfall vorstellen, der da geschildert wird? Es war Freitag, der 19. Dez. 1856, fünf Tage vor Heiligabend. Mit einem Pferdegespann - Eberle besaß zeitweise mehr als 4 Pferde - wurde ein Wagen von Pfünz Richtung Landershofen gezogen; der Bub mit knapp 9 Jahren saß auf einem der Zugpferde. Dieses Pferd scheute, warf den Buben ab, und der Wagen überrollte ihn. An der Kopfverletzung, die er sich entweder schon beim Sturz oder aber erst beim Überrollen durch den Wagen zuzog, starb er.

Was wissen wir über die Familie Eberle?
Das Schloß und die zugehörigen Häuser und Grundstücke gingen bei der Säkularisation an den Armenfonds der Stadt Eichstätt über. 1830 verkaufte der Armenpflegschaftsrat alles an Friedrich Freiherr v. Zu Rhein aus Würzburg. Großvater Johann Eberle (geb. 1768) kam 1832 von Ochsenfeld nach Pfünz. Er pachtete das Schloß und das Schloßgut, das uns als Krieglhof bekannt ist. Johann Eberle sen. starb am 15.3.1841 in Pfünz. Er hatte 2 Söhne: Joseph (*12.3.1800, +19.5.1848) und Johann (* ca. 1805, +1871). Johann Eberle jun. hatte nach Landershofen geheiratet.

Joseph Eberle kauft am 11.4.1835 um 600 Gulden das Anwesen Nr. 12 (jetzt Regler Bertl) von Freiherr v. Zu Rhein und heiratet am 29.4.1835 in Pfünz Marianne Pfeffer (*1.4.1810, +28.2.1877), eine Tochter aus der 2. Ehe von Johann Pfeffer, des Bürgermeisters, Zimmerers und Brückenzoll-Einnehmers von Hs-Nr. 1, dem ersten Haus rechter Hand, wenn man von Eichstätt kam (dort wo jetzt die Bushaltestelle ist).
Sie hatten 9 Kinder:Catharina *1.5.1836, Crescentia *16.5.1837, +17.6.1838, Walburga *2.8.1838, Josepha *5.11.1839, Mathias *22.5.1841, +10.6.1841, Theresia *20.5.1842, Joseph *23.12.1843, +7.1.1844, M. Rosina *6.6.1845, Johann *21.1.1848 +19.12.1856
Joseph Eberle und seine Frau Marianne haben Schloß und Schloßgut als Pächter vermutlich 1938 übernommen. 1841 kam Joseph Eberle vermutlich in große finanzielle Schwierigkeiten. So kann man im Eichstätt Intelligenzblatt vom 13.1.1841 nachlesen:

"Kommenden Donnerstag als den 21ten Jäner d. J. wird im Schlosse zu Pfünz nachstehendes Vieh verkauft, als 4 Zugpferde und 2 einjährige; 4 Ochsen, 36 St. Schafe, 2 Schweinsmütter, 26 Stück Rindviehe, meistens Schweizerart; ferner 2 Wägen und ein eiserner, 4 Zoll rheinisch; 4 Pflüge und 2 Eggen, dann alle übrige Hausgerätschaften, welche zur Ökonomie nothwendig sind, dann 52 Stück fichtene Stadelboden=Schalten und 2 Schlitten. Welches zur Kenntnis bringt Joseph Eberle, Schloßpächter in Pfünz”
1842 wird das Schloßgut zertrümmert, d. h. Schloß und Schloßgut werden einzeln verkauft. Das Schloß kauft Johann Schmidtmeier (*1797 in Workerszell, +6.9.1877 in Pfünz) am 22.4.1842 um 1350 Gulden. Joseph Eberle erwirbt das Schloßgut (Krieglanwesen). Am 13.5.1845 verkauft er das Anwesen Nr. 12 um 1200 Gulden. Joseph Eberle stirbt am 19.5.1848 an einer Lungenentzündung. Die Witwe hatte 6 Kinder zu versorgen: Johann, der Jüngste, war gerade 4 Monate alt, und Catharina, die Älteste, war 12 Jahre. Am 18.6.1850 heiratete sie den 8 Jahre jüngeren Taglöhner Anton Hörmann aus Rohrbach. Dies war zu jener Zeit nicht unüblich. Sie benötigte eine junge Arbeitskraft auf dem Hof, und für ihn war sie eine gute Partie - der soziale Aufstieg vom Taglöhner zum Bauern. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter hervor.
Am 19.12.1856 kommt der einzige männliche Hoferbe Johann bei jenem tragischen Unfall ums Leben. 1864 verkauft Hörmann das Schloßgut an Friedrich Lange, 1878 ersteigert es Maria Roßkopf, eine Wirtin aus Eichstätt, und 1882 schließlich kauft es Winkelmann. 1910 erwirbt es Johann Schmidtmeier jun., 1919 übergibt dieser den Hof an den Schwiegersohn Franz Kriegl aus Pfalzpaint, nach dem das Anwesen bis heute benannt ist.
Sie sehen, wie spannend die unmittelbare Dorfgeschichte sein kann. Ein aufmerksames Auge entdeckt einen unscheinbaren Stein, der schon immer da ist und nur nicht registriert wurde. Man befaßt sich damit und im Nu öffnet sich das Buch der Geschichte und könnte fast die Grundlage eines Romans sein.