Kelterbild in der Nikolauskirche Pfünz

(von Josef Auer)

Wer bereits einmal an einer Kirchenführung mit Josef Auer teilgenommen hat, kennt bereits einige Hintergründe zum Tafelbild über dem Taufstein in unserer Kirche St. Nikolaus. Es zeigt eine Darstellung Christi in der Kelter. Die Inschrift auf der Rückseite datiert das Bild auf 1598; am 9. August 1998 ist dieses auf Holz gemalte Tafelbild also 400 Jahre alt. Es dokumentiert 400 Jahre der jüngeren Geschichte von Pfünz wenn man den Maßstab der römischen Vergangenheit annimmt. Dieses kunst- und kulturhistorische Kleinod sollte es wert sein, entsprechend gewürdigt zu werden.

Das Bild wurde offensichtlich beschnitten, als es bei der Restauration des Frauenaltars übrig blieb. Dies kann daraus gefolgert werden, daß die Schrift auf der Vorderseite links verstümmelt ist (richtig muß es heißen: Torcular = die Kelter) und wegen der Bogensymmetrik entsprechend rechts. Ursprünglich war das Kunstwerk vermutlich bogenförmig bis zur unteren Kante. Das Bild wurde nach einer Vermutung von Dr. Emanuel Braun nach 1800 von einem Kirchenmaler im Zuge einer Restaurierung übermalt (Pinselstil).

Das Bild stellt nicht nur als Kunstwerk eine Rarität dar, es ist auch ortsgeschichtlich wegen der beiden Heiligenpfleger sehr wertvoll. Immerhin sind das die ältesten Nachrichten von Pfünzer Bürgern, die nicht auf Papier geschrieben sind. Die beiden Kirchenpfleger (“Heiligenpfleger”) sind in der Ortsgeschichte wohlbekannt. Lienhart Öscher (oder Escher) ist der Kipferle-Bauer. Er ist nachweislich mit dem Besitzer des Kipferle-Anwesens - jetzt Bauernhofmuseum in Hofstetten - verwandt. Michael Spätt (oder Spett, Speth, Späth) wiederum ist Besitzer des Spethenhofes in Pfünz; das war das Anwesen oberhalb der Kirche (jetzt Treffer).

Aufschrift auf der Rückseite des Tafelbildes:
Gott und seinen Heiligen zu Lob und
Ehr Ist Anno 1598 den 9. Augustij durch
den Ehrwürdigen Herren Christoff Aigner dise
Zeitt vicarier im Thumstift (Domstift) und unwürdiger
Pfarrer alhie Kay: Maiestath Notarius (mit=)
sambt seinen zweien Heiligenpfleger Lienhart
Öscher und Michael Spätt unser Frawenalter
sambt disen durch guetter gottsförchtiger Men=
schen von neuen gestalt worden und bemelter
Herr dise Rundung sambt allem waß darzu ge=
hörtt für sich machen lassen