Filiale St. Nikolaus, Pfünz - Führung durch die Kirche

Der Turm erhebt sich quadratisch und schließt mit Satteldach zwischen Treppengiebeln ; auf den Stufen stehen übereck kleine Fialen, die ein Pultdach deckt. Die Wirkung ist sehr malerisch. Der Turm war für Wehrzwecke eingerichtet.

Glocken
1785 von Matthias Stapf in Eichstätt gegossen. Fries mit Früchtenfeston und Engelsköpfen. Am Mantel Kruzifix und St. Nikolaus. Durchm. 0,60 m. (Ora Nos Domini Jesu Christi)
1922 Stahlglocken vom Bochumer Verein:

Sancta Michael (Tuere nos in pericolo, schütze uns in Gefahr)
Ave Maria (Patronae Bavariae, ora pro nobis, bete für uns)

Bei Kriegsende verschanzte sich SS auf dem Kirchberg; die Amerikaner beschossen den Ort. 3 Höfe gingen in Flammen auf, der Kirchturm samt Chor und Hochaltar wurden beschädigt. 1954 wurde die Kirche repariert und in wesentlichen Punkten verändert.
Im April 1945 verschafften sich SS-Leute den Eingang zur Kirche durch einen Schuss in das Türschloss. Dabei legten sie eine Zeitbombe in den Turm. Durch die Explosion zerriss das Gewölbe, Steine und Splitter beschädigten den Hochaltar und zerstörten den Kastentabernakel mit Türen. - Aus Teilen eines alten Drehtabernakels restaurierte bzw. fertigte Franz Kriegl (+1948) den heutigen Drehtabernakel in den Jahren 1945/46 .

Chor im Ostturm mit Rippenkreuzgewölbe. Runder Schluss-Stein mit dem Wappen des Bischofs Gabriel von Eyb in Relief. Er trägt die Jahreszahl MDXXI (=1521). Die Sakristei lag an der Nordseite des Chores, jetzt ist er Aufbewahrungsort für sakrale Gegenstände, die Sakristei liegt seit 1954 an der Südseite. Eben dort befand sich eine Grotte mit einer Lourdes Muttergottes (h=0,60 m) aus Gips. Die Steine und die Muttergottes übernahm der Wegmacher und Mesner Mathias Kirschner, die Steine bilden noch heute im Garten des ehem. Gemeindehauses einen grottenartigen Steingarten, die Muttergottes hat die Wegmacherin später abgegeben.

Hochaltar
Den Altar fertigte 1754 der Schreiner Bochler. Nach Zerstörung 1945 aus alten Teilen unter Verwendung alter Figuren erneuert:
Mit Wappen des Fürstbischofs (Schwert und Stab = weltl. und geistl. Gewalt) Johann Anton von Freyberg (1736 bis 1757).
Auf den Durchgängen, Peter und Paul (beide Mitte 18. Jh.) jeweils mit Sockel; jetzt auf eigenen Konsolen mit Überdachung.
Der Gute Hirte (19. Jh.) stand früher auf dem Seitenaltar, er tauschte den Platz mit St. Nikolaus, weil er von der Größe her besser passt.

Seitenaltäre
Klassizistische Schöpfungen mit dem Wappen des Fürstbischofs Joseph von Stubenberg (1790-1818). Die fürstlichen Insignien am Wappen deuten darauf, dass die Altäre noch vor der Säkularisation, demnach kurz vor 1803, gestiftet wurden. Figurennischen werden von Kompositsäulen flankiert; letztere sind in die zurückspringenden Ecken der Anlage gestellt Darüber Architrav mit einer Gruppe von Engelsköpfchen in der Mitte, seitlich Kannelüren. Ein Segmentgiebel mit dem Stifterwappen im Tympanon schließt den Aufbau. Auf dem Scheitel desselben Kreuz auf ornamentiertem Postament, seitlich Vasen. Sie wurden 1954 aus der Kirche entfernt, 1 Jahr im Dachboden aufgehoben und dann trotz mancher Einwände wieder aufgestellt, allerdings wurden Engelsköpfe und Stifterwappen beim Aufbau vertauscht. Rechts barocke Nikolausfigur(um 1800), früher im Hauptaltar (h=1,00 m). Links Marienfigur, spätgotisch, um 1470 (h=1,10 m). Die klassizistische Marienfigur (um 1800) ging vor Jahren (vor 1928, Mader) in Privatbesitz über.

Kanzel
Dieselbe stammt aus der profanierten Klosterkirche Notre Dame (jetzt Fremdenverkehrsbüro) in Eichstätt, wie durch die Lokaltradition feststeht, ist demnach von dem Bildhauers Ehrgott Bernhard Bendl um 1725. (Vgl. Kunstdenkmäler der Stadt Eichstätt, S. 366), gefertigt als Schenkung seiner Tochter Victoria, die 1725 ins Kloster Notre Dame eintrat. Die Kanzel ist eine formenschöne Frührokokoanlage mit geschweiftem Korpus, auf dessen Eckstreben girlandentragende Engelchen sitzen. Auf dem Schalldeckel ein Engel mit den Gesetzestafeln. (Fig. 185) Fassung in gelbem Marmor; die Engel sind versilbert.

Stuckaturen
Um 1740, wahrscheinlich Arbeit von Horneis. 1954 entsteht das Deckengemälde mit den Gesichtern von Pfünzer Einwohnern (Maler: Michael P. Weingartner, Pfaffenhofen). (Siehe auch)

Aus dem gleichen Pinsel ist die Front-Bemalung der Empore:
Christophorus (Christophorus bitt für uns)
Willibald (Sankt Willibald schütz uns), der Bistumsgründer, und seine Schwester Walburga (Hl. Walburga hilf uns)
Pius X. (Pius X. alles in Christus erneuern)

Holzfiguren
Kruzifix. Spätgotisch, um 1430. Modern überstrichen. (h=0,50 m). Vielleicht schon i.d. alten Kirche
Sankt Johann Nepomuk: 2. H. 18. Jh. (h=0,30 m)
St. Nikolaus: Spätgotisch, aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts. Der Stab ist barock ergänzt. (h=0,90 m). Lt. Pfarrsalbuch war die Figur 1612 noch nicht im Besitz der Pfarrei; diese Nikolausfigur war folglich nicht die von der Sage aus der alten Kirche auf dem Berg. Rosenkranzmuttergottes: Gute Barockschöpfung um 1700. (h= ca. 1 m).

In der alten Sakristei:
Jesuskind, wertvolle Klosterarbeit (Prager Jesulein) mit Stoffgewändern bekleidet. Die Figur steht auf einem Sockel von schwarzgebeiztem Birnbaumholz mit Silbermontierung. Frühzeit des 17. Jahrhunderts (h= 0,40 m).
Büste St. Nikolaus mit den drei Kugeln auf dem Brustbesatz. Statt der 3 Kugeln war evtl. früher in der Brustvertiefung ein Reliquienschrein; derartige Reliquienbüsten wurden den Gläubigen zu besonderen Gelegenheiten aufgelegt. Spätgotisch, Mitte des 15. Jahrhunderts. (Rep Anno 1678 Erneuert 1851) (nach der Sage schon i.d. alten Kirche; sicher ist, dass lt. Pfarrsalbuch die Büste mit dem "Heiltum" (=Reliquien) schon 1612 im Besitz der Pfarrei war). (h= 0,40 m).
Bereits in der alten Kirche auf dem Kirchberg stand eine Nikolausfigur; nach Fertigstellung der neuen Kirche wurde er in die neue Kirche übernommen. Der Sage nach wanderte der Nikolaus immer wieder in seine alte Kirche zurück, sooft er auch von den Dorfbewohnern wieder heruntergeholt wurde. Dies hörte erst auf, als er in einer feierlichen Prozession in die neue Kirche eingeweiht wurde.
Willibaldsfigürchen, barock (1750?) h=0,40 m.
Christus im Kerker, an der Geißelsäule, Mitte 18. Jh. h=0,90 m.
Auferstehungs-Christus, Mitte 18. Jh. h=0,60 m.
Auferstehungs-Christus, Gips, Mitte 18. Jh. h=0,50 m.
Kind, Gips, Ende 19., Anfang 20. Jh. h=0,60 m.
Nicht auffindbar (aber bei Mader beschrieben):
Tonfigur der Altöttinger Muttergottes. Mittelalterlich. h=0,40 m; (evtl. handelt es sich dabei um die Lourdes Muttergottes aus der Grotte an der Stelle der neuen Sakristei).
Schüssel mit Johanneshaupt. 17. Jahrhundert.
Fahnenbild. St. Michael, von Süßmeier, um 188o.
Zinnschüssel mit Rokokomuscheln. Marke Eichstätt, ohne Namensinitialen. Die Form der Marke entspricht dem Stempel, wie ihn Martin Reckl zu benützen pflegte.
gemalter Kreuzweg, bez. Willibald Wunderer, um 1770. Wunderer, Tuchmachersohn aus Eichstätt, hat auch die Rathausfassade in Eichstätt gefertigt.
Epitaph. Um 1600. Tafelgemälde in Holzrahmen mit geschweiftem Aufsatz. Das Gemälde stellt die Auferstehung Christi mit vornehmer bürgerlicher Familie dar. Im Aufsatz das Schweißtuch Christi. Inschrift fehlt. H. 0,70 m.

Taufstein. Achtseitiges Becken aus Kalkstein mit den Wappen des Hochstiftes (mit Bischofsstab) und dem der EYB (Bischof Gabriel von Eyb: die 3 Muscheln); das Becken ruht auf einem achteckigen Fuß, der die Form einer gestürzten Kufe hat.

Gebeine: Unter der Treppe zur Empore lagerten Schädel, die beim Grabausheben auftauchten, beim Einbau der Heizung wurden sie entfernt, und in ein Grab eingegeben.

Chrisam-Behälter: in der Sakristei mit der Aufschrift: Familie Bayer 1868

Tafelbild mit Darstellung Christi in der Kelter. Von Mader auf die 2. Hälfte des 17. Jh. datiert; durch die Inschrift auf der Rückseite von 1598 oder früher, weil das Bild offensichtlich beschnitten wurde, als es bei der Restauration des Frauenaltars übrig blieb. Dies kann daraus gefolgert werden, dass die Schrift auf der Vorderseite links verstümmelt ist (Torcular)und wegen der Bogensymmetrie entspr. rechts, das Bild war vermutlich bogenförmig bis zur unteren Kante. Das Bild wurde (nach Dr. E. Braun) nach 1800 (Pinselstil) von einem Kirchenmaler im Zuge einer Restaurierung übermalt. Gottvater setzt die Kelter in Bewegung, zwei Engel fangen den Wein in einem Kelch auf, drei Apostel tragen Trauben zu, drei weitere arbeiten im Weinberg; im Hintergrund eine Stadt. Die Umschrift am Rand lautet: TORCVLAR CALCAVI SOLUS · ISAIAS. H. 0,70, Br. 1,10 m. Zur Ikonographie der Kelterbilder vgl. BERGNER, Handbuch der kirchlichen Kunstaltertümer in Deutschland [1905]: Die Vorstellung geht zurück auf eine hochpoetische Schilderung des göttlichen Zornes Jes. 63, 1-6, worin die Verse:

Quare vestimenta tua sicut calcantium in torculari?
Torcular calcavi solus et de gentibus non est vir mecum
"Warum aber ist rot dein Gewand, deine Kleider wie die eines Keltertreters?
Die Kelter trat ich allein, von den Völkern stand niemand mir bei."

in ma. Auslegung irrig aber beharrlich auf das stellvertretende Sühnopfer Christi bezogen wurde wobei insinuiert wurde, dass er unter dem Kelterbalken stehend sein eigenes Blut herauspresst.

Die Kunst hat dem unvollziehbaren Gedanken auch nur eine symbolisch gefärbte Lösung geben können.

Aufschrift auf der Rückseite:
Gott und seinen Heiligen zu Lob und
Ehr Ist Anno 1598 den 9. Augustij durch
den Ehrwürdigen Herren Christoff Aigner dise
Zeitt vicarier im Thumstift (Domstift) und unwürdiger
Pfarrer alhie Kay: Maiestath Notarius (mit=)
sambt seinen zweien Heiligenpfleger Lienhart
Öscher und Michael Spätt unser Frawenalter
sambt disen durch guetter gottsförchtiger Men=
schen von neuen gestalt worden und bemelter
Herr dise Rundung sambt allem waß darzu ge=
hörtt für sich machen lassen

Heiligenpfleger sind die heutigen Kirchenpfleger; Öscher und Spätt begegnen uns in den ersten Eintragungen der Pfarrmatrikel wieder. Nach Spätt ist der Spethenhof benannt, das Anwesen mit der alten Hausnummer 19 oberhalb der Kirche.
(Weitere Info zum Kelterbild siehe)

Schneller-Tafel: (die älteste erhaltene Grabinschrift)
Denkmal
an den tugendlichen Jüngling
Kaspar Schneller
Wirthssohn geb. zu Pfünz
den 6. Jännar 1818 gest. zu
Eichstätt, den 10. Aug. 1842.
Zu früh bist Du von uns geschieden
Hinüber zu den Himmels Höhn
So ruhe Bruder sanft in Frieden
bis wir uns wiedersehn
Friede deiner Asche

Kipferle-Kapelle: erbaut 1846: 1996 war unbemerkt das 150-Jahr-Jubiläum

Reißer-Grab: Auf einem alten Foto sieht man einen steinernen Engel auf dem Grab.
Am 21.10.1911 stirbt die Wirtstochter Anna Reißer (geb. 29.11.1886) knapp 25jährig an einer Lungenerkrankung, deretwegen sie sich auch längere Zeit im Gebirge aufhielt. Auf ihren Wunsch hin wurde der Engel auf den Grabstein gestellt, den die Reißers noch heute auf ihrem Hof aufbewahren.

Quellen:
Felix Mader, Die Kunstdenkmäler von Bayern, 1928
Fr. X. Buchner, Das Bistum Eichstätt, 1937

Zusammengestellt und Bilder von Josef Auer

Informationen zu weiteren Nikolauskirchen weltweit
http://www.stnicholascenter.org