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Filiale St. Nikolaus, Pfünz

Geschichte des Ortes und der Kirche

Altertum

um 500 v.Ch Kelten

Abschnittswall südl. d. Altmühl am gegenüberliegenden linken Altmühlufer lag das alte keltische Dorf eine Furt oder Brücke etwa 550 m oberhalb der alten Brücke an der hochwasser-schmalsten Stelle wird angenommen
90-233 n. Ch. Römer Errichtung des Römerkastells in Holzbauweise, Lagerdorf und Bad. Unter Kaiser Antoninus Pius (138-161) wurde das Kastell in Stein ausgebaut. Während der Markomannenkriege 166-179 in Flammen aufgegangen, 183/184 wurde das Kastell unter Commodus wiederaufgebaut. 2 Tempel, keine Spur von Christentum, 233 Zerstörung des Kastells und des südlich davon gelegenen Lagerdorfs, sowie des Bades durch die Alemannen.

Mittelalter

743
vor 743, Christliche Kapelle aus Holz mit Friedhof auf dem Kirchberg; Einschätzung von Friedrich Winkelmann wegen der Art der Bestattung vor der Bistumsgründung 745 (resp. 743) Doktorarbeit v. Amtmann Johann, 1903: Untersuchungen über frühmittelalterliche und moderne Schädel aus Pfünz bei Eichstätt (Friedhof bei der alten Kirche)
745 Das Bistum Eichstätt wird gegründet; 1995 war 1250-Jahr-Feier; es gehört bis 1802 zur Kirchenprovinz Mainz
889 Phuncina erstmals urkundlich erwähnt: (von pons, Brücke); der Eichstätter Bischof Erchanbald schenkt dem Gotahelm, einem Vasallen des Grafen Engildeo, sieben Huben (je ca. 30 Tagwerk) in Pfünz
1166- 1282 Adlige in Pfünz, 1282 erste Erwähnung der Almosmühle
um 1200, kleine Basilika St. Nikolaus mit Friedhof, z. T. auf dem Platz eines römischen Sedatustempels 40 m von der Nordwestecke des Römerkastells entfernt (Einschätzung v. Winkelmann wegen eines Münzfundes)
1350 seit Mitte des 14. Jh. hielten die Landrichter Gerichtstage in Pfünz ab (Landschranne)
1475 kauft Bischof Wilhelm von Reichenau (1464-1496) das Schloß; erweitert "pro recreatione et venatione" (zur Erholung und zur Jagd)
1480 Pfarrei Pfünz errichtet (bis 1669)
1486 Aktenhinweis, dass schon im Jahre 1486 zu Pfünz ein Brückenzoll errichtet wurde. Die Errichtung der Brücke geschah wahrscheinlich um diese Zeit unter Bischof Wilhelm von Reichenau im Zusammenhang mit dem Erwerb des Schlosses.

Neuzeit

um 1500
wird die bequemer gelegene Kirche innerhalb des Dorfes gebaut, das Patronat St. Nikolaus wird auf die neue Kirche übertragen. Unter Bischof Gabriel von Eyb (1496-1535, Wappen am Schlußstein des Chorgewölbes und am Taufstein) - vielleicht von Erhard Reich unter Mitarbeit von Lienhard Schnabel und Hans Groß (HVSB 65/66). Bereits in der alten Kirche auf dem Kirchberg stand eine Nikolausfigur; nach Fertigstellung der neuen Kirche wurde sie in die neue Kirche übernommen. Der Sage nach wanderte der Nikolaus immer wieder in seine alte Kirche zurück, sooft er auch von den Dorfbewohnern wieder heruntergeholt wurde, bis er in einer feierlichen Prozession überführt wurde.
1547 alte Kirche existiert noch
1570 Die Pfarrei Pfünz wird für das Seminar eingezogen und bis 1669 von dort versehen.
1598 Tafelbild mit Christus als Keltertreter entsteht.
1602 Visitation Priefers: alte Kirche ist eine Ruine; von der Nikolauskapelle auf dem Kirchberg stehen noch die Wände ohne Dach
1616 Beginn der Pfarrmatrikel für Pfünz
1618 bis 1648 tobt der 30jährige Krieg in und um Eichstätt; die Bevölkerung Bayerns wurde in dieser Zeit um ein Drittel vermindert
1649 die Pest rafft viele Pfünzer hinweg, nur wenige Familien überleben
1669 Vereinigung der Pfarrei Pfünz mit Pietenfeld, vielleicht auf Grund der geringen Bevölkerungszahl in Pfünz
1676 Die Gemeinde bemüht sich um Wiederherstellung der alten Nikolauskapelle auf dem Kirchberg; sie erbietet sich, das nötige Holz zu liefern und Hand- und Spanndienste zu leisten. Fürstbischof Marquard gibt die Sache an das Ordinariat. Die geistliche Regierung anerkannte den Eifer, hält aber die Frage "in so geldbedrängten Zeiten" nicht für spruchreif: in der Folge verfält die alte Kirche gänzlich.
1728 Reparatur der Kirche in Pfünz, weil sehr baufällig befunden, und wohl in die heutige Barockform gebracht. Hanns Ganser, Maurermeister zu Walting: Portal Zimmerarbeiten Johann Dietrich von Eichstätt Franz Xaver Horneis: Deckenstuckaturen um gerahmtes Mittelfeld (damals ohne Gemälde), Schreiner Adam Müller v. Inching fertigte neuen Kasten i.d. Sakristei, bricht die alte Kanzel ab und verbessert sie Sonnenuhr von dem hochfürstlichen Feldmesser und Weinvisierer Georg Heinrich Wagner (lt. Zinner: 2 Sonnenuhren an der Süd/Ost- und West-Ecke)
1754 Anton Bogler (Bochler), Schreinermeister in Eichstätt, liefert einen Altar für Pfünz mit Wappen des Fürstbischofs Johann Anton v. Freyberg (1736-1757)

1784 in Auftrag des Bischofs wird der Pfünzer Forst von dem Mathematiker und Lehrer an der Forstschule in Eichstätt Ignaz Pickl vermessen; die Karte enthält eine Miniaturskizze von der Ruine der Alten Kirche. Das ist das einzige Bilddokument der Alten Kirche.
1785 Glocke (0,6m Durchm.) für Pfünz von Stapf-Eichstätt
kurz vor 1803 Seitenaltäre mit dem Wappen des Fürstbischofs Joseph von Stubenberg
1803 Nach der Säkularisation kommt die elegante Kanzel aus dem aufgehobenen Notre-Dame-Kloster nach Pfünz. (Die Seitenaltäre kamen nach Arnsberg, der Hochaltar nach Pölling, er ist heute verschollen)
1882- 1910 Friedrich Winkelmann Gutsbesitzer in Pfünz: Archäologe
1887 Das Areal, auf dem die alte Nikolaus-Kirche stand, wird ausgegraben; die Grundmauern eines römischen Rundbaus finden sich.
1908 Orgel für Pfünz von Bittner (Eichstätt) mit 5 Registern durch die Gemeinde erworben
1922 2 Stahlglocken vom Bochumer Verein
1923 Kirche in Pfünz renoviert durch Maler Kiendl, Eichstätt.
1945 die Kirche wird durch Granatbeschuß beschädigt
1954 Restaurierung, Orgelüberholung
1970 Kirchenportal
1972 Kirchenheizung
1977 Innenrenovierung
1988 Außenrenovierung
1993 Kirchenrenovierung

Quellen:
Felix Mader, Die Kunstdenkmäler von Bayern, 1928
Fr. X. Buchner, Das Bistum Eichstätt, 1937
Zusammengestellt von Josef Auer