Sie sind hier: Heimatkunde Bettelmannstein

Der sagenumwobene Bettelmannstein steht im Forst zwischen Pfünz und Baumfeld / Oberzell im sogenannten "Töchtertal". Aufgabe des Heimatvereins VETONIANA ist auch, sich solcher Zeugen aus vergangenen Tagen anzunehmen um sie den nachfolgenden Generationen zu erhalten. Nach Klärung aller Voraussetzungen hat sich am 23.5.2009 ein kleiner "Bautrupp" aufgemacht und den Stein gehoben, gereinigt und am ursprünglichen Platz wieder neu gesetzt. Am 12.12.2009 wurde der Stein im Rahmen einer kleinen Feier nach nahezu 600 Jahren erneut seiner Bestimmung übergeben. Das Forstamt Kipfenberg hat nach dem Entwurf des Heimatvereins eine Informationstafel anfertigen lassen, die dazu enthüllt wurde.

Der Edelmann- oder Bettelmannstein vor der Restaurierung
Der Stein befindet sich heute am Weg zum Pfünzer Tal im Jungholz wo er schwer zu finden und noch schwieriger zu fotografieren ist.  
Der Edelmann- oder Bettelmannstein nach der Restaurierung 

Von Rudolf Hager gibt es dazu zwei mögliche Deutungen über Sinn und Zweck dieses Steins.

Infotafel

(1) Böhmfeld Anfang des 15. Jahrhunderts:

Arme Leute erschlagen Ritter

Ob, und inwieweit der sog. Bettelmannstein (auch Edelmannstein genannt) der sich zwischen Pfünz und Oberzell befindet, mit der ältesten, bekannten Bluttat bei Böhmfeld in Zusammenhang steht, ist zwar nicht bekannt, aber möglich. Seine Geschichte wird extra mit der nächsten „Bluttat-Erzählung" abgehandelt (siehe -> (2)).

Es war Anfang des 15. Jahrhunderts, als einige arme Leute einen Ritter mit Namen Ulrich Pinzenauer totschlugen. Wie es scheint, gehörten die Täter zur Gerichtsbarkeit des Klosters St. Walburg, da zu dieser Zeit die Äbtissin von St Walburg die grundherrlichen Rechte mit den Herren von Hofstetten teilte.

Es können aber eigentlich keine „armen" Leute gewesen sein - vielleicht meinte man hier "einfache" Leute, denn im Sühnevertrag vom 24. Juli 1412 wurden den Tätern schwere Strafen auferlegt, wie eine Wallfahrt sowohl nach Rom als auch nach Aachen, die Fertigung eines Altares zu Ehren des hI. Sebastian in der Klosterkirche von St. Walburg, (siehe Nachsatz!) ein Jahrtag und eine ewige Wochenmesse für den Erschlagenen mit der Stiftung des Ewigen Lichtes und die Aufstellung eines steinernen Kreuzes an der dem Tatort nächstgelegenen Wegscheide, mit der Auflage, daß in den Stein Schild und Helm des Erschlagenen gehauen werden sollten. Aus einem im Vatikan hinterlegten Dokument, datiert vom 8. Dezember 1412, geht hervor, daß der Eichstätter Domherr Konrad Könhofer, Doktor der Kirchenrechte, die Wallfahrt für die Täter übernommen hatte und vom Papst persönlich Vergebung aller Sünden für die Mörder erlangte.

Anmerkung:

Aus dem Jahr 1412 ist bekannt, daß die Gemeinde Böhmfeld in der Klosterkirche von St. Walburg einen Sebastiansaltar als Sühne für einen Totschlag errichten ließ. Beim Lesen des vorherigen und folgenden Artikels fällt auf, daß hier ein Zusammenhang bestehen könnte!

Text: Rudolf Hager, 2008.

(2) Hitzhofen vor 1412:

Edelmann beim „Bettelmannstein“ erschlagen

Vom Pfünzer Tal in Richtung Baumfeld-Oberzell bei Hitzhofen, verläuft das Töchtertal. Dort steht in der Forstabteilung Mitterbügel ein Kreuzstein, der den Namen „Bettelmannstein“ führt.

Möglicherweise handelt es sich hier nur um ein Wortspiel für die beiden anderen Namen „Edestein“ bzw. „Edelmannstein".

Hier, so heißt es, wurde einst ein Edelmann erschlagen, zu dessen Erinnerung dieses Steinkreuz errichtet wurde.

Derjenige aber, der den Edelmann erschlagen hat, muß als Geist herumirren. Früher hörte ihn man bei Nacht rufen: „Ich bin der Hans vom Töchtertal, bald hier, bald da und überall“. Die Leute fürchteten sich sehr und wagten es nicht, bei Dunkelheit durch dieses Tal zu gehen.

Ob und inwieweit dieser Stein mit der ältesten, (vorgenannten -> (1)) bekannten Bluttat bei Böhrnfeld in Zusammenhang steht, ist zwar nicht bekannt, aber möglich.

Text: Rudolf Hager, 2008.